Einen Kirchweihbaum aufzustellen, ist nichts für Grobmotoriker. „Kraft- aber auch liebevoll ist die Kunst“, ermahnte Johannes Bauer, Chef-Baumaufsteller der Hallerndorfer Kirchweih, die „Jungspunde“ an der dritten Schwalbe. Die jungen Helfer legten sich beim Hochwuchten des Baumes derart ins Zeug, dass Bauer liber zur Vorsicht rief. Denn wer zu ruckartig an der hölzernen Schwalbe schiebt, riskiert, dass die Baumkrone bricht. Und ein Kirchweihbaum ohne sein schmuckes Grün wäre schließlich nur die halbe Pracht. Bauer weiß, wovon er spricht. Seit vielen Jahren gibt er beim Baumaufstellen auf dem Festplatz in der Ortsmitte die Kommandos. Auch diesmal konnte er sich auf die tatkräftige Unterstützung der Hallerndorfer Kerwasburschen verlassen. Die passende Grundlage für den Baum hatte zuvor Forstwirt Felix Schneider geschaffen. Der Kerwasbursch, der beruflich bei den Bayerischen Staatsforsten arbeitet, fällte die 23 Meter lange, schön gewachsene Fichte im Staatswald auf Anhieb und ohne Probleme. Beim Fällen und Aufstellen waren damit zwei Profis am Werk, die wissen, worauf es ankommt.

Doch die Kerwa lebt nicht allein von Muskelkraft und Holz. Vor allem sind es die Kerwasburschen und Madla, die mit ihrem Einsatz dafür sorgen, dass die fränkischen Traditionen lebendig bleiben. Sie helfen zusammen, halten die Bräuche hoch und verwandeln den Festplatz rund um das Rathaus in einen Treffpunkt für Jung und Alt. Dass dabei auch das Feiern nicht zu kurz kommt, versteht sich von selbst. Im großen Festzelt sorgten am Freitagabend „One Last Sunset“, am Samstag „Audio Gun“ und am Montag das „Duo Hollywood“ für Live-Musik. Wer nach dem Baumaufstellen noch Kraft übrig hatte, konnte sie also spätestens auf der Tanzfläche loswerden. Ein Höhepunkt war das traditionelle Betzenaustanzen am Montag. Wie schon beim Baumaufstellen begleitete die Hallerndorfer Blasmusik das Geschehen. Elf Tanzpaare traten an, bis schließlich der Wecker mit einem lauten Tusch das Siegerpaar per Zufall ermittelte. Lena Schöninger und Bastian Schmitt durften sich über den Sieg freuen. Auch Emma Bauer hätte an diesem Tag allen Grund gehabt, auf einen Gewinn zu hoffen. Sie feierte ihren 17. Geburtstag. Zwar fiel der Sieg einem anderen Paar zu, doch die Hallerndorfer Blasmusikanten ließen es sich nicht nehmen, dem Geburtstagskind ein Ständchen zu spielen.

Während die Großen tanzten und feierten, war auch für den Nachwuchs einiges geboten. Zahlreiche Schaustellerbuden und ein Karussell lockten die kleinen Gäste auf den Festplatz. Die Kindergartenkinder des katholischen Kindergartens St. Sebastian stellten ebenfalls wieder einen eigenen kleinen Kirchweihbaum auf. Am Montagnachmittag gehörte das Festzelt dann den Kindern. Die Band „Boxgalopp“ lud zum Mitmachen ein und zeigte, dass fränkische Musik und Kirchweihfreude keineswegs erst im Erwachsenenalter anfangen. Dass die Hallerndorfer ihre Kerwa heute in einem großen Festzelt feiern, hat inzwischen selbst Tradition. Zum 25. Mal wurde die Kirchweih in diesem Jahr als „Zeltkerwa“ veranstaltet. Früher spielte sich das Kirchweihtreiben vor allem in den beiden Gastwirtschaften Lieberth und Rittmayer ab. „2001 hatten wir zum ersten Mal ein – wenn auch kleines – Festzelt im Rittmayer-Hof aufgestellt“, erinnert sich Alt-Kerwasbursche Thomas Schmitt.
Was damals überschaubar begann, entwickelte sich über die Jahre zu einer Erfolgsgeschichte. Die Kirchweih verlagerte sich zunehmend auf das Festgelände am Rathaus, wo heute Hunderte Besucher zusammenkommen. Sie feiern bei Live-Musik, treffen Freunde und erleben Bräuche, die von den Kerwasburschen und -madla mit viel Einsatz weitergetragen werden.


























