Gruppenbild mit Pfarrer Matthias Steffel, Bürgermeister Gerhard Bauer und Kirchepfleger Marius Birkner vor der Installation des Turmkreuzes

Turmkreuz kehrt auf Willersdorfer Kirchturm zurück

Es war ein feierlicher Moment. Pfarrer Matthias Steffel sprach sogar von einem „historischen Akt“. Unter den wachsamen Augen eines ganz besonderen „Publikums“ hat die Pfarrgemeinde St. Bartholomäus ein bedeutendes Etappenziel erreicht: Das frisch restaurierte und vergoldete Turmkreuz wurde wieder auf die Spitze des Kirchturms gesetzt – begleitet vom Pautzfelder Musikverein und zahlreichen Gläubigen, Dorfbewohnern und nicht zuletzt einem Storchenpaar, das längst zum Symbol der Sanierung geworden ist.

 

Die Störche auf dem Kirchenschiff verfolgen interessiert den historischen Akt. Ihr Nest wurde extra wegen der Sanierungsarbeiten vom Kirchturm verlegt.
Die Störche auf dem Kirchenschiff verfolgen interessiert den historischen Akt. Ihr Nest wurde extra wegen der Sanierungsarbeiten vom Kirchturm verlegt.

 

Eine Kirche mit jahrhundertealter Geschichte
Die Geschichte der Kirche reicht weit zurück: Bereits im Jahr 1348 wurde erstmals eine Kapelle in Willersdorf erwähnt. Seit 1520 ist eine eigenständige Pfarrei belegt, zu der damals auch Haid und Stiebarlimbach gehörten. Der markante Kirchturm mit seiner barocken Zwiebelkuppe prägt seit 1756 das Ortsbild – zuletzt umfassend saniert wurde er im Jahr 1967.

Störche als unerwartete Auslöser der Sanierung
Doch ausgerechnet tierische Bewohner rückten den Turm in den vergangenen Jahren wieder in den Fokus. Seit Februar 2020, zu Beginn der Corona-Pandemie, nistet ein Storchenpaar auf der Turmspitze – und kehrt seitdem jedes Jahr zuverlässig zurück. Mit ihrer imposanten Nestkonstruktion machten sie jedoch auch auf Probleme aufmerksam: Das hohe Gewicht und die zunehmenden Schäden an Eindeckung und Schalung stellten eine Gefahr für die Stabilität dar. Eine fachliche Untersuchung durch das Ingenieurbüro Johann Müller aus Stettfeld im Jahr 2022 bestätigte schließlich den dringenden Handlungsbedarf. Am 21. August 2024 beschloss die Kirchenstiftung gemeinsam mit den Fachleuten die umfassende Turmsanierung. Ursprünglich mit rund 172.000 Euro veranschlagt, wuchs das Projekt durch zusätzliche Schäden zu einer kompletten Neueindeckung der Turmkuppe an – mit Kosten von etwa 240.000 Euro.

Bürgermeister Gerhard Bauer sagt die Unterstützung der Gemeinde zuBreite Unterstützung aus Kirche, Staat und Bevölkerung
Möglich wurde die Umsetzung vor allem durch die großzügige Förderung des Erzbistums Bamberg, das 65 Prozent der Kosten trägt. Weitere Unterstützung kam von Institutionen wie der Oberfrankenstiftung, der Bayerischen Landesstiftung und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege sowie durch eine beeindruckende Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung, aber auch einem Zuschuss der Gemeinde Hallerndorf und der Martin-Fischer-Stiftung. Selbst Pfarrer Matthias Steffel beteiligte sich persönlich. Bürgermeister Gerhard Bauer stellte in seiner Ansprache die Bedeutung der Kirche heraus. „Kirchen gehören zu unseren Ortschaften. Sie sind identitätsstiftend und prägen das Ortsbild“, so der Gemeindechef. Bauer sagte für die Renovierungsarbeiten einen gemeindlichen Zuschuss zu.

Bauverlauf und kreative Lösung für das Storchenpaar
Kirchenpfleger Marius Birkner ließ die bisherigen Arbeiten Revue passieren: Die Bauarbeiten begannen im Herbst 2025, haben sich jedoch aufgrund eines langen Winters bis ins Frühjahr 2026 verzögern. Eine besondere Herausforderung stellte dabei die Rückkehr der Störche dar: Bereits Anfang Februar traf das Paar wieder ein. Kurzerhand wurde durch die Firma Holzbau Kaul aus Weingarts gemeinsam mit Storchenbeauftragtem Edmund Lenz ein Ausweichquartier geschaffen. In Zusammenarbeit mit der Dachdeckerei Donath aus Wonsees wurde ein stabiler Nistplatz auf dem Kirchenschiff errichtet – mit Erfolg: Noch am selben Tag nahmen die Störche ihr neues Zuhause an. Inzwischen liegen fünf Eier im Nest.

Die Zeitkapsel wurde mit Dokumenten (einer aktuellen Zeitung, einem Gemeindeblatt, den alten und einer neuen Chronik) sowie aktuellen Euro-Münzen bestückt.
Die Zeitkapsel wurde mit Dokumenten (einer aktuellen Zeitung, einem Gemeindeblatt, den alten und einer neuen Chronik) sowie aktuellen Euro-Münzen bestückt.

Turm erstrahlt neu und prägt wieder das Ortsbild
Parallel zur Dachsanierung wurde auch die Turmzier aufwendig restauriert und neu vergoldet, das Ziffernblatt der Turmuhr wird nun noch erneuert und auch der Turm frisch gestrichen. Mit dem Aufsetzen des Turmkreuzes, in dem auch eine ergänzte Zeitkapsel ihren Platz gefunden hat, wurde ein zentrales Etappenziel der umfangreichen Sanierungsarbeiten mit einem Gesamtvolumen von fast einer Viertelmillion Euro erreicht. Nach Monaten der Vorbereitung, Bauarbeiten und witterungsbedingten Verzögerungen ist die neue alte Turmspitze nun wieder weithin sichtbar und prägt das Ortsbild von Willersdorf wieder in vertrauter Weise.